
Mitgliederversammlung![]()
Aufbruch ist anders
NPV entgeht nur knapp der vollständigen Lähmung
Deutschlands drittgrößter Pétanque-Landesverband hat auf seiner Mitgliederversammlung am SA 04.02. nur mit Mühe seine Handlungsfähigkeit bewahrt. Die allgemeine Verbandsverwaltung und der Ligabetrieb scheinen gesichert, ebenso die Jugendarbeit. Alles Übrige hingegen, insbesondere Landesmeisterschaften und DM-Qualifikationen, muss 2012 nach Aussagen des Vorstands ins Wasser fallen.
Personalmisere im Vorstand nicht behoben

Mit
35 Ja- bei fünf Nein-Stimmen und sechs Enthaltungen haben die Vereine zwar den
drei verbliebenen Vorstandsmitgliedern (Präsident, Vizepräsident,
Jugendwart) das Vertrauen ausgesprochen und damit deren angedrohten Rücktritt
verhindert; doch weiterhin klaffen empfindliche Lücken in der NPV-Führung.
Weder gibt es einen neuen Sportwart noch einen neuen Schiedsrichterwart. Auch
die Besetzung der zuletzt verwaisten Ämter von Schatzmeister und Ligawart
stand in Hannover auf des Messers Schneide. Erst nach einer Sitzungspause und
wiederholtem Aufruf des Tagesordnungspunktes erklärten sich zwei Delegierte
spontan bereit, in die Bresche zu springen: Lothar Thiele (SV Frielingen,
links) für die Finanzen und Armand Pampovs (SV Odin Hannover, rechts) für die
Liga-Verwaltung wurden darauf ohne Gegenstimmen gewählt.
Als Dank eine Flasche Côtes du Roussillon: Vizepräsident Martin Kuball verabschiedete Sportwart Wilfried Sell (links), der auf eine erneute Kandidatur verzichtet hatte.
2012 ohne Landesmeisterschaften?
Wie Vizepräsident Martin Kuball und Präsident Wilfried Falke übereinstimmend erklärten, wollen sie künftig die Aufgaben nicht besetzter Vorstandsressorts nicht mehr zusätzlich schultern. Die Belastungsgrenze sei zuletzt weit überschritten gewesen. Ausdrücklich wies der Vize auf die logische Folge hin: ohne Sportwart keine Landesmeisterschaften und DM-Qualifikationen, ohne Sportwart keine Auswahl von Ranglistenturnieren und keine Weiterführung der Rangliste.
Satzung bleibt im Wesentlichen unverändert
Der Vorstandsantrag, den geschäftsführenden Vorstand um einen Posten zu vergrößern, dafür aber zwei weitere Ämter zu streichen, unterm Strich also mit sechs statt bisher sieben Vorstandsmitgliedern auszukommen, verfehlte die für Satzungsänderungen benötigte 2/3-Mehrheit. Seinen Antrag, jährlich zwei Mitgliederversammlungen durchzuführen und die Amtszeiten der Vorstandsmitglieder von den Wahlterminen zu entkoppeln, zog der Vorstand zurück, nicht zuletzt wegen etlicher vereinsrechtlicher Schwachstellen, auf die man erst nachträglich aufmerksam geworden war. Einzige substanzielle Satzungsänderung war so die Einführung der Niedersächsischen Pétanque-Jugend als sich selbstständig verwaltende Gliederung im NPV.
Ursachenforschung kratzte nur an der Oberfläche
Die Frage eines Delegierten an den Vorstand, wie dieser sich denn die gehäuften Rücktritte aus seinen Reihen erkläre, förderte wenig Erhellendes zutage, zumal der zuletzt ausgeschiedene Schatzmeister und der schon im Frühjahr zurückgetretene Ligawart der Versammlung ferngeblieben waren. So blieb es bei allgemeinen Hinweisen auf inhaltliche Differenzen, etwa bei der Umsetzung der Finanzordnung, auf unfaire Kritik in Internet-Foren und anderen Online-Publikationen (wie dieser Website), auf mangelnde Vertraulichkeit in der Vorstandsarbeit und eine gewisse Amtsmüdigkeit des ausgeschiedenen Schiedsrichterwarts. Strukturelle Fragen, wie etwa die nach dem allgemeinen Verhältnis zwischen geschäftsführendem Vorstand und den ihm untergeordneten (?) Ressortverantwortlichen für Sport, Liga usw. kamen hingegen ebenso wenig zur Sprache wie der offenkundige Mangel an konstruktiven Schlichtungsverfahren im Konfliktfall.
MV-Splitter
Anwesenheit. Zu Beginn der MV waren 47 Vereine präsent, knapp die Hälfte der 97 NPV-Mitglieder. Am Ende waren's noch gut 30.
Lizenzmarken. Noch hat erst die Hälfte der NPV-Vereine ihre Mitgliedermeldung für 2012 eingereicht. Die in früheren Jahren immer zur MV gestartete Ausgabe der Lizenzmarken verzögert sich daher.
Liga-Gebühren. Das Startgeld pro Team und Saison soll 2013 angehoben werden, auf 17 EUR in der Regionalliga, auf 25 EUR in der Niedersachsenliga. In der Bezirksliga bleibt's bei 13 EUR.
Liga an Pfingsten. Mit 17 zu 18 Stimmen verweigerte die MV dem Antrag aus Bad Nenndorf auf Verlegung des 2. Spieltags die Dringlichkeit. Spiele in der Bezirksliga können aber sowieso um eine Woche vorverlegt werden.
Liga-Meldung. Zehn Teams mehr als 2011 sind für den Ligabetrieb gemeldet. Mit insgesamt 117 Teams wird die Grenze von 122 Teams, ab der die Bezirksoberliga als vierte Liga-Ebene einzuführen ist, knapp verfehlt.
Der SC Langenhagen steigt zusätzlich in die Regionalliga auf, nachdem nun feststeht, dass sich der Koldinger SV komplett aus dem Ligabetrieb zurückzieht.
11.000 km allein 2011 ist der NPV-Präsident nach eigenen Angaben in Ausübung seines Amtes unterwegs gewesen. Bei Tempo 80 entspricht dies 137 Stunden, also mehr als drei im Auto verbrachten Arbeitswochen.
Eine DPV-Ehrennadel in Gold erhielt Bernd Hanke für sein mehrjähriges Engagement als NPV-Schiedsrichterwart und seine Mitarbeit auf DPV-Ebene.
LM-Ausrichter. Für die LM Frauen steht der BSV Gleidingen als Ausrichter bereit, für die Ü55-LM der SV Odin. Um die MIxte-LM haben sich TSV Halle und 1. Hamelner BC beworben. Für die LM 3:3 ist - noch unverbindlich - Klack 95 Osnabrück im Gespräch.
Gewählt wurde Volker Hübchen aus Echte als neues Ersatzmitglied des NPV-Schiedsgerichts.
Bestätigt wurde Harald Lukaschek aus Brinkum als Rechnungsprüfer.
Mit dem Dank des Vorstands verabschiedet wurde der langjährige Verwalter der NPV-Rangliste, der zur Saison 2012 seinen Rückzug erklärt hatte.
Faule Schüler oder faules System?
Erheblichen Zündstoff für die Mitgliederversammlung lieferte das Ergebnis des letzten Schiedsrichterlehrgangs im NPV. Nach der Zweitkorrektur der schriftlichen Prüfung durch den DPV-Schiedsrichterausschuss hätte nur einer der 18 Lehrgangsteilnehmer die Schiedsrichterlizenz erhalten; erst ein dritter Korrekturlauf erhöhte die Zahl der Erfolgreichen auf vier. Dass Präsident, Vizepräsident und Ex-Schiedsrichterwart Bernd Hanke auf die erhöhten Anforderungen hinwiesen und die Ursachen für das desaströse Gesamtergebnis vor allem bei den Lehrgangsteilnehmern verorteten, stieß bei den Betroffenen nur auf ungläubiges Kopfschütteln. Einer von ihnen, der ausgeschiedene Sportwart Wilfried Sell, erklärte tief frustriert, er werde die Möglichkeit, sich erneut zur Prüfung anzumelden, auf keinen Fall nutzen. Er und weitere Betroffene unter den Delegierten bemängelten die zum Teil missverständliche Formulierung der Prüfungsfragen und die allgemeine Geheimniskrämerei um die Schiedsrichter-Prüfung. Sell: Warum kann man das nicht öffentlich machen?
Wann beginnt der Wettbewerb?
Wie erwartet, beschäftigte sich die Mitgliederversammlung auch ausführlich mit dem 2011 entstandenen Konflikt um die Melde-Regularien bei Landesmeisterschaften. Dass Änderungsmeldungen z. B. infolge Krankheit nach Meldeschluss (14 Tage vorher) vom NPV-Vorstand nicht zugelassen wurden, hatte in zwei Fällen das NPV-Schiedsgericht beschäftigt und zu dem Urteil geführt, dass diese NPV-Praxis rechtswidrig sei, da das Internationale Reglement den Austausch von Spielern bis zum Beginn des Wettbewerbs erlaubt. Der NPV-Vorstand hatte daraufhin den Beginn des Wettbewerbs auf eine Minute nach Meldeschluss vorverlegt und damit das Urteil des Schiedsgericht formal ausgetrickst. In seinem Jahresbericht wertete das von Dr. Rainer Bode geleitete Schiedsgericht dieses Vorgehen als grobe Missachtung seiner Entscheidung und als Affront gegen die Aktiven des NPV. - Die Debatte über einen Antrag der SGF Bremen, der die Wiederzulassung von Änderungsmeldungen empfahl, verlief gleichwohl sehr konstruktiv. Präsident und Vizepräsident räumten ein, dass die Vorverlegung des Wettbewerbsbeginns nur eine kurzfristige Notlösung gewesen sei. Ein Weg, unnötige Härten zu vermeiden, könne nun darin bestehen, von vornherein die Meldung von Ersatzspielern zuzulassen, und zwar sowohl in Doublette- als auch in Triplette-Konkurrenzen. Eine exakte Regelung dazu, die den Urteilstenor des Schiedsgerichts respektiert, muss der Vorstand nun in der LM-Richtlinie treffen. Sollten dieses Jahr tatsächlich keine Landesmeisterschaften stattfinden, ist dieser Arbeitsauftrag aber nicht besonders dringlich.
Was wird aus Ranglistenturnieren und Rangliste?
Der Antrag der SGF Bremen, die Auswahl der Ranglistenturniere künftig nicht mehr von der Einsatzplanung der Schiedsrichter abhängig zu machen, sondern den Schiedsrichtern eine Prioritätenliste an die Hand zu geben, welche Turniere sie vorrangig absichern sollen, wurde ohne Gegenstimmen gebilligt. Ob es dazu aber überhaupt kommt, ist mangels Sportwart mehr als fraglich. Ebenso offen ist, ob sich der jetzt installierte Vorstand um einen neuen Ranglisten-Beauftragten kümmern wird. Schon beschlossene Sache ist hingegen, dass die NPV-Rangliste nach langen Jahren der Kontinuität gründlich umzukrempeln wäre. Wegen des Zeitdrucks ohne Debatte und bei nur drei Gegenstimmen (darunter die des Autors dieser Zeilen) wurde in Hannover ein Vorstandsantrag beschlossen, wonach künftig auch Deutsche Meisterschaften und DPV-Ranglistenturniere für die NPV-Rangliste zu werten sind. Offen dabei ist, wie der NPV die DM-Resultate bepunkten will und wie er DPV-RLT-Veranstalter aus anderen Landesverbänden verpflichten kann, ihm die Platzierungen der NPV-Teilnehmer überhaupt mitzuteilen. Dass die Einbeziehung der Deutschen Meisterschaften auch den bisher geltenden Fairness-Gedanken über Bord wirft, nur solche Wettbewerbe zu berücksichtigen, an denen jeder NPV-Aktive teilnahmen kann, scheint vielen Delegierten in der Eile gar nicht aufgefallen zu sein.
Was geschieht mit den Kröten?
Mit großer Mehrheit verabschiedet, obwohl viel zu spät vorgelegt, wurde der NPV-Haushaltsplan für 2012. Dank der stetig gewachsenen Zahl von Vereinen und Lizenzspielern ist das Etatvolumen inzwischen auf über 50.000 Euro gestiegen, wobei knapp 40 % davon als LIzenzgebühren und Beiträge an den DPV abfließen. Für eigene Zwecke bleiben dem NPV so laut Plan 31.620 Euro. Ein gutes Viertel davon (8.200 Euro) sollen der NPV-Jugend zufließen, angesichts von gerade mal 4 % Jugendlichen unter den NPV-Lizenzspielern ein stolzer Betrag. Immerhin ist der NPV-Vorstand auf die Idee gekommen, die Verpflegung des Nachwuchses bei Lehrgängen, Deutschen Meisterschaften und sonstigen Wettkämpfen nicht mehr generell aus der Verbandskasse zu bezahlen; die Eltern sollen demnächst um einen Beitrag gebeten werden. Von 4.780 auf magere 500 Euro geschrumpft sind hingegen die Mittel für die Kaderarbeit; offenbar hat der Vorstand schon bei der Etat-Aufstellung geahnt, dass aus der Sichtung und Förderung von Top-Aktiven auch dieses Jahr nichts wird. Positiv anzumerken ist, dass die Vorstandsarbeit selbst nur relativ geringe Mittel verschlingt. Für Vorstandssitzungen und Verwaltung sind zusammen 1.700 Euro veranschlagt.
Unterm Strich. Ein kurzer Kommentar.
Die Qualität der Verbandsarbeit steht und fällt mit dem Engagement der Aktiven und ihrer Vereine. Daran hapert es im NPV schon lange. Und zwar massiv. Der landauf, landab zu hörende Satz Wir wollen doch nur Boule spielen ist so blöd wie Brot, wenn zugleich erwartet wird, dass Liga-Resultate flott veröffentlicht werden und Landesmeisterschaften wie am Schnürchen über die Bühne gehen. Organisierter Wettkampf-Sport macht weitaus mehr Arbeit, als öffentlich sichtbar wird, und erfordert mühsame, meist auch kontrovers geführte Entscheidungsprozesse. Wer ganz gemütlich nur Boule spielen will, kann dies mit Freunden im eigenen Garten tun. Wer hingegen darauf setzt, dass sich Dumme finden werden, die den angeschlagenen NPV wieder flottmachen, wird vielleicht schon 2012 enttäuscht. Die Ankündigung von Wilfried Falke und Martin Kuball, sich um nicht besetzte Vorstandsressorts nicht mehr zu kümmern, könnte da heilsame Wirkung haben. (Ulli Brülls)
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PS: Den vorstehenden Kommentar hat planetboule » (Nils Allwardt) übernommen.
Leserkommentar.
Hallo Sportfreunde,
was Ulli Brülls da sagt, ist ja einleuchtend. Die OMV's zeigen immer vor allem eines, wie heftig an dem, was hier in der Kritik ist, immer weitergestrickt wird. Dieser doch in erster Linie gesellige Amateur-Sport braucht dringend eine Entbürokratisierung. Und wie immer geht Entbürokratisierung mit Demokratisierung einher. Unser teurer Staat macht uns jeder Tag vor, wie man das Volk von ihm fernhält, ein abschreckendes Beispiel! Vielleicht ein wenig zurück Richtung Anfang 1907.
Lasst die Kugeln rollen, man lernt was über den schönen
Zufall,
Manfred Korte
ergänzt 06.02..2012
Siehe auch Protokoll der MV »